Zur Geschichte Cospedas

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Stichpunkte zur Geschichte Cospedas

von Dr. Wolfgang Biewald, HVC Cospeda, 2026

 

Schriftlich erwähnt wurde der Ortsname Cospeda erstmals in einer mit dem 24. Juli 1259 datierten Urkunde. In dieser statteten die Kirchberger Burggrafen Dietrich der Ältere und Dietrich der Jüngere ihr 1235 gegründetes Zisterziensernonnenkloster in Kapellendorf mit Zinsen und Gütern aus. Eine dieser Zuwendungen war auch der Zehnt eines Weinberges, der sich im Besitz eines Ludolf von Cospeda [Lutolfi de Kozebode] befand.

Ausschnitt aus der im Hauptstaatsarchiv Weimar aufbewahrten in Latein verfassten Ersterwähnungsurkunde mit dem Ortsnamen Kozebode (rot unterstrichen).

Dieses Datum war Anlass im August 2009 eine rundum gelungene 750-Jahrfeier in unserem Dorf durchzuführen. Den Ort mit verschiedenen Schreibweisen wie Kozzebode, Cosbode, Gossboda u.a. gab es natürlich schon viel früher. Sein Name weist auf eine slawische Ortsgründung im 9. oder 10. Jh. hin. Die Deutung des Ortsnamens ist unklar, könnte aus dem slawischen übersetzt soviel wie „Sensenstecher“ oder „Schrägstecher“ bedeuten.

Die mittelalterlichen Besitzverhältnisse waren kompliziert. Zunächst war das Dorf  Sitz der Adelsfamilie von Cossibode.

Die Herren zu Leuchtenburg eigneten im Jahre 1308 dem Michaeliskloster zu Jena eine Hufe Land als Lehen zu. 1346 bekam dieses Nonnenkloster das gesamte Dorf zugesprochen.

Somit befand sich das ganze Dorf  ungeteilt in den Händen der Nonnen des Michaelisklosters, das seinen Sitz neben der heutigen Jenaer Stadtkirche hatte. Ihnen standen alle Einkünfte zu, sie verfügten auch über die hohe und niedere Gerichtsbarkeit und waren für die Cospedaer Kirche zuständig.

1348 hatten die Vitztume von Apolda ihre Cospedaer Kirchrechte dem Michaeliskloster verkauft. Hierbei wurde der Kirche von Cospeda die Kirchen der Nachbargemeinden Closewitz und Lützeroda als Filialen zugeordnet. Die geistliche Betreuung dieser Klösterdörfer oblag zunächst einem von der Äbtissin bestimmten Messpriester ohne Pfründe, der über den heute noch „Pfaffenstieg“ genannten Weg von Jena herauf wanderte.

1452 verordnete der Probst zu Utenbach der Kirche Cospeda einen eigenen Pfarrer.

Auch Cospeda hatte wie alle Klosterdörfer im Kriegsfall einen Beitrag für die Aufrüstung des Landesaufgebotes zu leisten. In der diesbezüglichen Musterung wird vom Jungfrauenkloster zu Jena aufgeführt: 
"In Cosewde 25 (männl.) Einwohner einschließlich vier alter Männer, also 21 Wehrhaftige".

Als Folge der Reformation und der damit verbundenen Auflösung der Klöster wurden die Klösterdörfer in die Jenaer Amtsverwaltung eingegliedert. Ihre Einkünfte gelangten hauptsächlich in den „Jenaer Allgemeinen Kasten“ und dienten zur Unterhaltung von städtischer Kirche und Schule.

Die Grenzziehung zwischen „Stadt Jena“ und „Amt Jena“ ist noch an zahlreichen Grenzsteinen nachvollziehbar. Die der Stadt zugewandte Seite ist mit einer plastischen Weintraube gekennzeichnet.

Wie im Umfeld der Stadt Jena dominierte im Mittelalter auch in Cospeda der Weinanbau, der vor allen an den Südhängen des Steigers und des Mühltals günstige Bedingungen fand.

Die Cospedaer Chronik vermeldet für das Jahr 1618, dem Jahr des Beginnes des verheerenden Dreißigjährigen Krieges: "In Folge von großem Frost erfroren viele Weinstöcke und darauf hin wurden viele Weinberge ausgerodet".

Für das Jahr 1637 wird berichtet: "Im Januar kam der schwedische Generalmajor Thorsto Stahlhansch  mit viel Volk an, welches von kaiserlichen Truppen verfolgt wurde".

Für 1638 heißt es: "Ende des Jahres ist ganz Cospeda abgebrannt…. In diesem Jahr starben 15 Gemeindemitglieder".

Und in 1639 wird vermeldet: "Zum Wiederaufbau wurden  im Jahr Almosen gesammelt. In diesem Jahr starben 14 Gemeindemitglieder wahrscheinlich an Seuchen (Pest)".

Im Jahre 1699 wurde die eigentümlicherweise am Rande des Dorfes gelegene Kirche als barocke Bauernkirche in der heute im Wesentlichen noch existierenden Form errichtet.

   Die Cospedaer St. Ägidius-Kirche am  Rande des Dorfes gelegen.

 

Archäologische Untersuchungen im Vorfeld erheblicher Sanierungsarbeiten haben den Nachweis erbracht, dass es hier zwei kleinere Vorgängerkirchen aus dem 11./12. Jh. bzw. dem späten 12. Jh. gab.

Erwähnenswert ist eine schöne Minuskelglocke vermutlich aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts deren Inschrift: in marian ere ben ich gegossen amen an den vor-reformatorischen Marienkult erinnert. 

Am 31. Oktober 2017, dem 500. Reformationstag, konnte eine zweite Glocke eingeweiht werden, die am 10. Juni in der Glockenstadt Apolda in Beisein des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow für die Kirche Cospeda gegossen wurde. 

In Cospedas nahem Umfeld spielte sich am 14. Oktober 1806 ein Teil der größten und folgenschwersten Schlachten des 19. Jahrhunderts, der sog. Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, ab in deren Verlauf die Truppen Napoleons I. die Preußen unter Friedrich Wilhelm III. vernichtend schlugen.

Dies war ortsgeschichtlich gesehen das historische Ereignis des kleinen Bauerndorfes Cospeda, das bis heute nachklingt.

An diese „Napoleonschlacht“ erinnert das weit über die Region bekannte, vom Institut zur militärgeschichtlichen Forschung Jena 1806 e. V. betreute Museum in der Jenaer Straße 12. 

Publikumswirksam ist vor allem auch die freilich umstrittene, alle fünf Jahr stattfindende Schlachtnachstellung, die im Jahre 2006, dem 200. Jahrestag der Schlacht, ca. 32.000 Besucher anzog.

Links: Schlachtnachstellung 2022. Napoleon (Mark Schneider, USA) mit Garde und Apfelschimmel an der Verpflegungsstelle Schulstraße. 
Mitte und rechts: Napolen-Pfad.

 

Besonders hinzuweisen ist auf den beim Museum 1806 beginnenden Napoleon-Pfad, einem 8 km langen Erlebnispfad der natura  jenensis (Jena) mit 17 interaktiven Stationen. Er ist besonders geeignet, auch Kindern diesen interessanten Geschichtsabschnitt näher zu bringen.
 

Nachfolgend kurz der historische Schlachtverlauf in Stichpunkten: Im 1806 ausgebrochenen Krieg Frankreichs gegen Preußen und Russland waren die Franzosen im Oktober bis nach Thüringen vorgedrungen.

Napoleon, der die Hauptmacht der preußischen Armee bei Jena vermutete traf am 13. Oktober in Jena ein. Nach flüchtiger Besichtigung des Schlosses, das man ihm als sein Quartier eingerichtet hatte, ritt er über den Steiger zum Landgrafenberg.

Vom „Windknollen“ der mit 360 m HN höchsten Geländeerhebung, inspizierte er am späten Nachmittag die nördlich platzierten preußischen Stellungen. 

Napoleon am 13. Okt. im Kreise seiner Truppenbefehlshaber auf dem Langrafenberg. Zeitgenössische Darstellung

 

Obwohl von einem von ihm angenommenen ungünstigen Kräfteverhältnis von 1:4 oder gar 1:5 ausgehend, fasste er den kühnen Entschluss, am nächsten Morgen anzugreifen. Noch in der Nacht wurden alle ihm zur Verfügung stehenden Truppen auf den Landgrafenberg beordert. 

Bemerkenswert ist, dass es den Franzosen gelang – von den Preußen für unmöglich  gehalten - einen Teil der schweren Kanonen über den schmalen Hohlweg des „Apoldaer Steigers“ auf das Windknollenplateau zu bringen.

Radierung von J.W. Roux. Die Franzosen sind bemüht, ihre Kanonen den Apoldaischen Steiger hinauf zu bringen.

 

Nachdem der Kaiser die Nacht am Südhang des Windknollens inmitten seiner Soldaten genächtigt hatte, befahl er gegen 6.00 Uhr den ca. 20 000 unterhalb des Windknollens lagernden Soldaten anzugreifen.

Auf der Hochfläche lag dichter Nebel als die Franzosen vorrückten. Die im Feuergefecht stehenden Gegner sahen sich zunächst nicht.

Als sich gegen 8 Uhr der Nebel lichtete, drängten die kräftemäßig überlegenen Franzosen die Preußen, die zwischen den Dörfern Lützeroda und Closewitz eine 3000 m lange Schlachtlinie gebildet hatten, zum „Dornberg“ (heute Standort eines Wasser-Hochbehälters)  zurück. Es entbrannte erneut ein stehendes Gefecht, in dem das französische Feuer verheerend wirkt.

Die weiteren zur „Schlacht bei Jena 1806“ zählenden Gefechte, das bei Rödigen und Lehesten, der Entscheidungskampf bei Vierzehnheiligen, das Gefecht an der Schnecke bei Isserstedt und das letzte Gefecht am Sperlingsberg  ührten zur endgültigen Niederlage der unter dem Kommando des Fürsten Hohenlohe-Ingelfingen  bei Jena stehenden Preußen.

Gleichzeitig, aber ohne voneinander zu wissen, gelang es im ca. 17 km entfernten Auerstedt den Truppen des Marschalls Davout, die doppelt überlegene preußische Hauptarmee unter Führung des Herzogs von Braunschwerig vernichtend zu schlagen. Der preußische Staat war zusammengebrochen.

 Schon zwei Jahre später, während des Erfurter Fürstenkongresses 1808, zog es Napoleon wieder zum Windknollen. Hier wollte er sich am Ort seines glanzvollen Sieges feiern lassen. In der Chronik des Johann Gottfried Wackernagel, Sohn des Schultheisen von Lützeroda, heißt es: "Am 7. Oktober, einem, Freitage, haben der Kaiser von Frankreich, der Kaiser von Russland, der König von Sachsen, der König von Bayern, Ihro Herzogl. Durchlaucht von Weimar und noch viele hohe fürstliche Personen auf dem Windknollen gefrühstückt. Von da ritten sie nach Romstedt und hielten eine Jagd…“

Auch die Jenaer bejubelten den französischen Eroberer. Der Jenaer Maurermeister Timler errichtete an der Windknollenkante  einen „Napoleon-Tempel“, den der Kaiser - sich vor einem Attentat ängstigend - nicht betreten haben soll. 

Zeitgenössische Darstellung: "Ansicht des Napoleonberges bey Jena nebst den zu Ehren  S M der Kaiser  Napoleon und Alexander  den 7ten Oct. 1808 darauf errichteten Tempel.“

Anstelle des links unten  in obigem Bild dargestellten Grenzsteins mit der Jahreszahl 1794 befindet sich heute der 1992 errichtete „Napoleonstein“. Der Napoleonstein (361,8 m HN) ist eine weithin sichtbare Landmarke auf der Steilstufe des Oberen Muschelkalks und ein Ausflugsziel mit herrlichem Weitblick.

Der aus Schaumkalk gefertigte Block ist etwa 2 m hoch und wiegt ca. 1,5 t. Die Südseite des Steins ziert ein goldenes gekröntes „N“, auf der Nordseite findet sich das Zitat Golo Manns: „In Deutschland labte man sich in größerem Hasse wie an heißerer Bewunderung Napoleons ein Jahrhundert lang.“ Auf der Ostseite sind Entfernungen von ausgewählten Lebenstationen Napoleons zum Standort des Steines aufgelistet.

Nachdem der Schlachtenlärm abgezogen war, wurde das blutgetränkte Land wieder von den Bauern der sog. Schlachtendörfer  wie gewohnt mit Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln bebaut.

Nach 1933 wurde diese landwirtschaftlich ohnehin nicht sonderlich ertragreiche, von Kleinfelderwirtschaft geprägte Hochfläche des Windknollens, als Truppenübungsplatz interessant. Nach 1938/39 wurde hier ein über 100 ha großes Gelände Exerzierplatz der Wehrmacht. Während des 2. Weltkrieges war auf dem Gelände dieses Truppenübungsplatzes eine der um Jena stationierten Luftabwehranlagen (Schwere 8,8 cm Flakbatterie), im Volksmund auch „Steigerflak“ genannt, aufgestellt.

Im Zuge des militärischen Zusammenbruches Hitlerdeutschlands besetzen amerikanische Truppen am 12.05.1945 Cospeda. Sie wurden am 18. 07. durch Soldaten der 8. Sowjetischen Gardearmee abgelöst.

Die Sowjetarmee errichtete in den ehemaligen Wehrmachts-kasernen von Zwätzen bzw. Löbstedt eine Garnison für die 79. Garde-Panzerdivision der 8. Gardearmee. Sie führte die militärische Nutzung des Windknollenareals fort: zunächst als Übungsgelände für bespannte Artillerie, später als Fahr-schulstrecke für LKW und schließlich als Panzererprobungs-gelände.

Die erhebliche Ausdehnung der Panzerfahrstrecken ist in einem sowjetischen Luftbild von 1953 deutlich zu erkennen.

Links: Ausschnitt aus einem sowjetischen Luftbild vom 26.05.1953 mit dem Panzererprobungsgelände Jena-Cospeda. (Genehmigungsnr. des TLVermGeo: 13/2009). Deutlich sind die zahlreichen schleifenartig geführten Fahrspuren der schweren Kettenfahrzeuge zu erkennen.
Mitte: Der sowjetische Kampfpanzer T 72 auf Übungs-fahrt unterhalb der Windknollenhöhe auf der heute der Napoleonstein steht.
Links:  Kampfpanzer T 72 in rasanter Fahrt vom Apoldaer Steiger herunterkommend.

 

Das Übungsgelände machte nach der Wende einen erbarmungswürdigen Eindruck: im von tiefen Panzerspuren zerfurchten Terrain lagen oft baufällige, für zivile Nutzungen ungeeignete Gebäude, größere Mengen verschiedenartigen Schrotts und andere Altlasten. Allerdings entstanden als Folge der militärischen Nutzung auch zahlreiche Vertiefungen in denen sich durch Bodenverdichtung zahlreiche Kleingewässer („Himmelsteiche“) bilden konnten. Sie dienten als Heimstatt für verschiedene Amphibien- und Libellenarten.

Nicht selten findet man an den glatten Rinden von Buchen im Rautal, im Mühltal und den Forsten in Richtung Altengönna-Lehesten von Sowjetsoldaten eingeschnittene kyrillische Schriftzeichen, die von Dauer ihrer Wehrdienstzeit und ihrem Herkunftsland oder –ort berichten.

 

Am 24.03.1992 verlassen die letzten Russen im Rahmen einer der größten Truppenverlegungen zu Friedenszeiten in der Militärgeschichte auch Jena.

 In einem Zeitungsausschnitt der TLZ vom März 1992 sieht man ein Bild mit abfahrbereiten russischen Soldaten vor einem T 80-Panzer auf dem in deutschen Lettern steht:

LEBE WOHL DEUTSCHLAND. Im dazu gehörigen Text ist zu lesen: "Bleibt zu hoffen, dass die traditionell guten Beziehungen zwischen dem russischen und dem deutschen Volk niemals wieder dadurch belastet werden, dass man sich gegenseitig mit Panzern „besucht“".

 

Das Windknollen-Areal als ehemalige WGT-Liegenschaft wurde am 17.04. 1997 als NSG „Windknollen“ mit einer Fläche von 185 ha mit folgendem Schutzzweck  unter Naturschutz gestellt: Erhaltung eines Komplexes von großflächigen Halbtrockenrasen, Frischweiden, Trockengebüschen und zahlreichen Kleingewässern mit seltenen Pflanzen und Tieren.

 

Cospeda, das im Jahre 1982 nur 220 Einwohner hatte, wurde am 1. Juli 1994 nach Jena eingemeindet ist inzwischen auf 1.368 Bewohner  angewachsen.

Der Cospedaer Ortsteilbürgermeister ist Lutz Arnold, der seit über 29 Jahren sehr erfolgreich die Geschicke der Gemeinde leitet.

 

Nachbemerkung: Weitergehende Informationen zur Geschichte Cospedas finden sich in der „Festschrift 750 Jahre Cospeda 1259 -2009“ bzw. in den vom Heimatverein Cospeda e. V. herausgegebenen Heimatheften.

Links: Der Alte Pfarrhof von Cospeda, dessen Bauspuren bis in das Jahr 1638 reichen.
Rechts: Jedes Jahr ein Volksfest: Das Errichten des Maibaumes auf dem Dorfanger durch den Feuerwehrverein Cospeda.

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